Ein Generaldirektoren Erzählsalon

Salons

Erzählsalon vom 07.02.2013 mit Herbert Roloff
Generaldirektor des VEB Außenhandelsbetriebes Industrieanlagen-Import (AHB IAI)

Anmoderation von Katrin Rohnstock:

Ich begrüße Sie herzlich zu unserem 3. Generaldirektoren-Salon, in dem es darum geht, die DDR-Wirtschaft genauer zu erkunden.

Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit Herbert Roloff, GD des AHB Industrieanlagen-Import, einen Gast haben, der nicht nur zu vielen anderen Kombinaten vielfältige Beziehungen hatte, sondern auch zur "restlichen Welt", wo er die Anlagen für die DDR-Industrie einkaufte: Von Japan, der SU über Österreich bis Wolfsburg.

Doch dazu kommen wir gleich.

Herbert Roloff  wird – anders als Winfried Sonntag und Karl Döring – in einfachen Verhältnissen in Stettin als zweiter Sohn einer Plätterin und eines Wagenbauers 1936 geboren. 1943 wird die Familie ausgebombt und verlässt das brennende Stettin mit einem Handwagen – auf dem seine kleine Schwester sitzt. Sie kommen bei der Cousine der Mutter in Penkun, Pommern unter.

1951 beginnt er eine Schlosserlehre auf der Mathias-Thesen-Werft Wismar. Während der Lehre gehört er zu einer Jugendbrigade und trifft den Schmied Ambrosius Reis, der zu ihm sagt: "Junge, wir brauchen dich, komm in die Partei." So wird er, freilich schon von Vater und Bruder beeinflusst, mit 16 Jahren Kandidat.

Roloff – das Arbeiterkind – wird nach Abschluss der Lehre auf die ABF in Rostock delegiert. (Für alle, die diese Institution nicht kennen: Es ist die Arbeiter-und Bauernfakultät, die ausdrücklich das Ziel hatte, Arbeiter und Bauernkinder zu fördern.) Mit ihm im ersten Studienjahr ist seine spätere Frau. Nach 2 Jahren wird er, wie Karl Döring, nach Halle auf die ABF II delegiert. Hier lernt er Christa Luft kennen, die ebenfalls jedes Wochenende nach Hause mit dem Zug fährt. In Halle II werden die Abiturienten auf ein Auslandsstudium vorbereitet: Herbert Roloff will nach Leningrad Schiffbau studieren. Doch die Familienplanung kommt dazwischen: Ein Kind kündigt sich an – und Herbert Roloff möchte lieber in der DDR bleiben.

So nimmt er ein Studium an der Technischen Hochschule Magdeburg auf und schließt es 1962 als Diplomingenieur ab. Über das Büro des Prorektors für Forschung und als Redakteur der Schweißtechnik beginnt er 1968 zunächst als Gruppenleiter. Aber schon bald wird er Abteilungsleiter bei der AHB Industrieanlagen-Import. Der Aufstieg ist unaufhaltsam – 1971 wird er zum Stellvertreter des GD berufen und macht parallel seinen Abschluss als Fachökonom an der HfÖ.

1974 Berufung als 1. Stellvertreter des GD

1980 Berufung als Generaldirektor

1990 März, als GD abberufen und zum Geschäftsführer berufen

1990 August, er scheidet nach eigener Kündigung aus

Das klingt nüchtern, doch Herbert Roloff hat mit seinen 550 Mitarbeitern die Industrieanlagen, die die DDR-Industrie brauchte – und die über eine Million kosteten – importiert. Eine typische DDR-Konstruktion, den Import in einem eigenen, dafür spezialisierten Betrieb zu bündeln. Das hat sicher einige Nachteile, aber auch viele Vorteile, weil durch die Zentralisierung des Imports in einem Betrieb auch das Know-how gebündelt war.

Soweit der "Vorspann". Zu den Strukturen des Betriebes kommen wir sicher nachher noch.

Wir halten es wie bereits gewohnt: Herbert Roloff wird etwa 30 Minuten über seinen Einstieg als GD und die ersten großen Projekte berichten, an denen er die Aufgaben und Schwierigkeiten seiner Arbeit darstellt. Wir haben uns geeinigt, dass er die Vielschichtigkeit an Hand von vier Beispielen darstellt: beginnend mit dem EKO – um die Schnittstelle zu Karl Döring herzustellen, dann PCK Schwedt, vorausgreifend zum Salon mit Lothar Poppe spricht er über die Anlagen für die GISAG, und wird zum Schluss – anknüpfend an Winfried Sonntag, der im letzten Salon zu Gast war – über das Lizenzprojekt mit VW-Motoren sprechen. Nach 45 Minuten wird Prof. Jörg Roesler die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge herstellen, danach sind Sie aus dem Publikum an der Reihe.

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Auch der 3. GD-Salon stößt auf breites Interesse

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Herbert Roloff erzählt aus seiner Zeit als GD

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Herbert Roloff stellt sich den Fragen des Publikums

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