Ein Generaldirektoren Erzählsalon

Salons

Erzählsalon vom 12.02.2015 mit Peter Nelke
Kombinatsdirektor im bezirksgeleiteten Baustoffkombinat Dresden und späterer Vorstandsvorsitzender der Sächsischen Baustoffunion Dresden

Anmoderation von Katrin Rohnstock: 

Unser heutiger Podiumsgast ist Peter Nelke. Wir freuen uns sehr, dass er zu uns gekommen ist, denn mit ihm hat endlich wieder ein Vertreter der Baubranche auf unser Salon-Couch Platz genommen. Ging es im September letzten Jahres um die Bau-Projektierung, als wir mit Gerhard Poser und Wolfgang Schmidt den ersten und den letzten Generaldirektor des BMK Erfurt zu Gast hatten, so rückt diesmal die Baustoff-Entwicklung in den Mittelpunkt. Denn Peter Nelke war von 1987 bis 1990 Kombinatsdirektor des VEB Baustoffkombinat Dresden. »Das einzige Kombinat«, so sagt er selbst, »das die Treuhand nicht zerschlagen konnte«.
Herr Nelke kann aus beiden Wirtschaftssystemen berichten, denn 1990 übernahm er die Geschäftsführung der Sächsischen Baustoffunion Dresden GmbH und wurde 1991 Vorstandsvorsitzender der Sächsischen Baustoffunion Dresden AG. Wie es dazu kam, wird er uns sicherlich gleich selbst erzählen.

Doch der Reihe nach. Wie war der Werdegang unseres Gastes? Peter Nelke wurde am 22. April 1941 in Hamburg geboren. Aufgewachsen ist er seit Juli 1941 bei Pflegeeltern in Rügenwaldermünde, dem heutigen Darlowko in Polen. Hierbei handelt es sich um einen traditionellen Seebadeort, der wegen seines Mikroklimas, seines schönen Strandes und seiner Dünen geschätzt wird. 
Peter Nelke wird erst im Alter von 11 Jahren eingeschult. Von 1952 bis 1957 besucht er die deutschsprachige Grundschule in Darlowko (Rügenwalde). Hier absolviert er in knapp fünf Jahren die Klassenstufen 1 bis 7. Das entsprach damals in Polen dem Grundschulabschluss. Er hätte seine Schullaufbahn hier gern weiter verfolgt, jedoch reiste er im März 1957 in die DDR aus (die meisten Deutschen siedelten in die BRD über). So kam er im April 1957 in Bernau bei Berlin gleich in die achte Klasse und traf auf hilfsbereite Lehrer. Bei seiner Abschlussprüfung im Juni 1957 wurde der Teil der Prüfungsfragen, die in Polen nicht behandelt worden waren, nicht gewertet. So bekam er sein Grundschulabschlusszeugnis für die 8. Klasse – mit guten und sehr guten Noten – und hatte damit eine solide Startbasis für seinen künftigen Werdegang. Auch heute noch ist er für die erfahrene Hilfe sehr dankbar: »Es wurde völlig unbürokratisch und unkompliziert zu meinem Wohl gehandelt.«
Sein Kindheitstraum war es, Kapitän oder Architekt zu werden. Er entschied sich, dem Berufswunsch Architekt nachzugehen, »weil ich dort meinen sportlichen Neigungen viel besser nachgehen konnte als auf einem Schiff«, so Peter Nelke selbst. Ein Sassnitzer Nachbar, ein Bäcker, riet ihm, Maurer zu werden. Er meinte, der Beruf wäre als Architekt immer zu gebrauchen. So fuhr Peter Nelke im Juni 1957 zum größten Lehrbetrieb auf Rügen, dem VEB Bau Rügen, da er wusste, dass dort jährlich um die 130 Lehrlinge ausgebildet werden. Er traf zunächst auf den Heimleiter im Lehrlingswohnheim, der ihn mit strengen Worten empfing: »Du kommst reichlich spät. Die Bewerbungsfrist ist im März abgelaufen. Hast du wenigstens ein Zeugnis mit?« Peter Nelke zeigte ihm sein polnisches sowie deutsches Abschlusszeugnis, woraufhin der Heimleiter bemerkte: »Was willst du hier? Mit so einem guten Zeugnis wird man doch nicht Maurer!« Peter Nelke bestand aber auf seinem Vorhaben – letztlich auch zur Freude des Heimleiters.
Nach zweieinhalb Jahren – im Frühjahr 1960 – konnte er seine Gesellenprüfung ablegen. Es gab in der DDR einen Spruch, den Peter Nelke noch heute gern zitiert: »In der DDR kann jeder werden, was er will – ob er will oder nicht.« So empfindet unser Gast es auch im Nachhinein. Er sagt: »Wir wurden gefördert, aber auch gefordert.« Das trifft für ihn besonders auf eine Erfahrung zu: Während seiner Lehrzeit zum Maurer – er baute mit einem Kompagnon gerade an einem Einfamilienhaus in einem Dorf – kamen der Leiter des Lehrbetriebs und ein Parteisekretär auf die Baustelle: »Kommt mal runter von der Rüstung, wir haben was zu bereden«, lautete die Order. »Ihr beiden geht nächstes Jahr an die ABF nach Rostock!« - Ohne Zögern erklärten sich Peter Nelke und sein Freund einverstanden. Nach zwei Jahren konnte er die Abiturprüfung ablegen. Die Zeit war für ihn ausgesprochen anstrengend, hatte er mit seinem 8-Klassen-Abschluss doch viel nachzuholen, aber es lohnte sich: Damit hatte er in zehn Jahren (von 1952 bis 1962) das Abitur in der Tasche und zwischendurch noch den Maurerberuf erlernt.
Nun stand einem Studium nichts mehr im Wege. Im September 1962 ging er an die Technische Universität Dresden, um Bauingenieurwesen zu studieren. Er schloss das Studium im März 1968 als Diplomingenieur ab. Als Entwicklungsingenieur und Auftragsleiter wurde er im April 1968 im VEB Ingenieurbüro Bauwesen in Dresden eingestellt und arbeitete dort fünf Jahre.
1973 wurde er Investbauleiter und Abteilungsleiter und ab 1975 Direktor des neu gegründeten Generalauftragnehmers für Investitionen in der Baustoffindustrie. Von 1980 bis 1986 war er Direktor für Produktion und Betriebsdirektor im Ingenieurbüro VEB Bauinvest Dresden.Vergleichsweise spät kam es zur Gründung des Baustoffkombinats Dresden. Peter Nelke bereitete von Oktober 1986 bis Dezember 1986 die Kombinatsgründung vor und wurde im Januar 1987 der Kombinatsdirektor des bezirksgeleiteten VEB Baustoffkombinat Dresden. In dieser Position blieb er bis Juni 1990 und übernahm im Folgemonat die Geschäftsführung der Sächsischen Baustoffunion Dresden GmbH. Im Januar 1991 wurde er Vorstandsvorsitzender der Sächsischen Baustoffunion Dresden AG und war als solcher bis Februar 1997 tätig. Danach schied er noch lange nicht aus dem Berufsleben, sondern gab bis 2011 als Unternehmensberater – vorrangig für die Märkte in Polen und Staaten Ex-Jugoslawiens – seine Erfahrungen weiter.

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Peter Nelke im Generaldirektoren-Salon am 12.02.2015

Peter Nelke im Generaldirektoren-Salon am 12.02.2015

Peter Nelke, von 1987 bis 1990 Kombinatsdirektor des VEB Baustoffkombinat Dresden mit Jörg Roesler (rechts)

Peter Nelke, von 1987 bis 1990 Kombinatsdirektor des VEB Baustoffkombinat Dresden mit Jörg Roesler (rechts)

Die Gäste des GD-Salons diskutieren

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